Eine Geschichte über blockierende Glaubenssätze und warum Klarheit im Kopf nicht reicht, wenn der Körper noch auf Schutz programmiert ist
Markus (Name geändert) war Mitte 40, eine etablierte Führungspersönlichkeit, die fachlich anerkannt und menschlich sehr geschätzt wurde. Sein Auftreten wirkte bei unserer ersten Begegnung ruhig, souverän und kontrolliert.
Seit Monaten spürte er einen inneren Druck, den er sich nicht erklären konnte. Es standen strategische und personelle Entscheidungen an, die im schlaflose Nächte brachten. Er sah die unterschiedlichen Optionen klar und kannte die Konsequenzen. Und trotzdem blieb er im Zögern.
Nicht, weil ihm die Expertise fehlte. Sondern weil etwas in ihm jedes klare Ja und jedes klare Nein blockierte.
Er wusste: Wenn er nicht entscheidet, wird irgendwann für ihn entschieden. Genau dieser Gedanke verstärkte den inneren Druck noch mehr.
Unser erstes Gespräch
Im unserem ersten Gespräch wurde schnell sichtbar:
Es fehlte nicht an Kompetenz.
Es fehlte nicht an Erfahrung.
Es fehlte an innerer Erlaubnis.
Markus hatte über Jahre gelernt, Verantwortung zu tragen und gleichzeitig für Ausgleich zu sorgen.
Er war derjenige, der Spannungen glättete, Ruhe bewahrte und das Team zusammenhielt.
Dafür wurde er geschätzt und bewundert.
Doch unter dieser Stärke lag ein alter Glaubenssatz:
Wenn ich es nicht für alle stimmig halte, verliere ich Akzeptanz und irgendwann auch meinen Platz.
Diese Überzeugung war ihm nicht bewusst, jedoch bestimmten sein Verhalten und bremsten seinen Auftritt.
Warum Verstehen alleine nicht reicht
Markus konnte diese Muster sehr schnell benennen.
Und trotzdem veränderte sich nichts Wesentliches.
Denn Glaubenssätze sitzen nicht nur im Kopf.
Sie sind im Nervensystem gespeichert, in unserem Körper und in unserem Verhalten.
Auf Körperebene zeigte sich deutlich, was Worte nicht lösen konnten:
Enge im Brustraum, Spannung im Hals und zurückgenommene Präsenz.
Der Körper war auf Schutz programmiert, auf Anpassen sowie Zurückhalten.
Solange dieser Zustand bestehen blieb, konnte keine Strategie im Aussen wirklich greifen. Dies war ihm um mir klar.
Integration statt Optimierung
Der Wendepunkt kam, als wir den Fokus verlagerten. Weg vom weiteren Analysieren, hin zum Harmonisieren und Integrieren auf Körperebene. Mit gezielten Embodiment-Techniken wurde Führung im Körper erfahrbar gemacht. Klarheit durfte gespürt werden, ohne sofort handeln zu müssen. Grenzen durften sich sicher anfühlen, bevor sie ausgesprochen wurden.
Was sich dann veränderte, war nicht Markus’ Persönlichkeit. Es war seine innere Stabilität. Entscheidungen fühlten sich nicht mehr bedrohlich an und sein Auftritt wurde klarer, ohne härter zu werden. Seine Kommunikation ruhiger, ohne auszuweichen.
Plötzlich griff auch die Strategie im Aussen. Nicht, weil sie neu war, sondern weil sie endlich verkörpert wurde.
Heute steht Markus klarer da. Seine Präsenz wirkt, weil sie nicht mehr gegen innere Blockaden ankämpfen muss.
Fazit
Glaubenssätze lassen sich nicht wegdenken, sie wollen integriert werden. Erst wenn der Körper Sicherheit erlebt, können Auftritt, Kommunikation und Strategie im Aussen wirksam werden.
Meine über 20-jährige Erfahrung im Bereich Business Mentoring hat mir immer wieder aufgezeigt, dass Persönlichkeitsentwicklung nicht im Verstehen endet. Sie beginnt dort, wo wir den Mut haben, das Alte im Körper loszulassen. Denn echte Führung entsteht nicht durch mehr Konzepte, sondern durch innere Kohärenz zwischen Denken, Fühlen und Handeln.